Deutsche Tage in Jakutsk vom 27.10. - 1.11.2019

30.10.2019 – Interkulturelles Training

 

 

An der Nordöstlichen Föderalen Universität lernen Studenten aus vielen verschiedenen Ländern. Zwischen den jakutischen und ausländischen Studenten gibt es nach Aussage von Vladlen Kugunurov, dem Vize-Rektor für internationale Kooperation und Direktor der Verwaltung für Internationale Beziehungen, noch Berührungsängste. Die interkulturelle Kommunikation könnte besser sein. Aus diesem Grund hat er in das Programm der Deutschen Tage ein Interkulturelles Training aufgenommen, das von Natalia Dergatcheva und mir an 2 Tagen unter dem Motto „МосТТы“ (Die Brücke bist du) geleitet wird. Insgesamt haben sich über 80 Studentinnen und Studenten aus unterschiedlichen Ländern und Fakultäten angemeldet. Zum ersten Termin erscheinen 37 Teilnehmer aus Jakutien, Burjatien, Tadschikistan, Usbekistan, Afghanistan, Indien, Südkorea, Namibia und China. Etwas verunsichert betreten sie die Sporthalle, viele von ihnen hatten ein Seminar in einem Seminarraum erwartet. Nach einigen Bewegungsspielen ist die Unsicherheit verflogen. Mehrere Übungen zur nonverbalen Kommunikation verkleinern auch die sprachlichen Hürden. Es sprechen zwar alle Russisch, aber auf unterschiedlichem Niveau. Die abschließenden Aufgaben in interkulturell gemischten Gruppen werden von allen gemeistert. Alle sind sich nähergekommen und haben Berührungsängste überwunden. Am Ende bekommen die Teilnehmer ein Zertifikat und einen Button mit dem Logo des Trainings. Neue Brücken sind entstanden. Die Arbeit mit den Studentinnen und Studenten aus vielen verschiedenen Ländern war eine wertvolle Erfahrung. Das 2. Training findet am Freitag statt. 

29.10.2019 – Brücken bauen durch Sprache, Tanz und Musik

 

 

 

 

 

 

Die Deutschen Tage in Jakutsk sollen unter anderem dazu beitragen, weitere Brücken zwischen Jakutsk und Deutschland zu bauen. Was liegt da näher, als den Sprach- und Kulturaustausch zu fördern. In einem vom Goethe-Institut durchgeführten zweitägigen Seminar zur Methodik und Didaktik des Deutschunterrichts werden am Sacha-Gymnasium Deutschlehrkräfte aus Jakutsk und Umgebung fortgebildet. Die Seminarleiterin ist dazu extra aus Abakan angereist. Eine Teilnehmerin hat für das Seminar einen 3.000km weiten Weg aus dem Abyjski Ulus im Norden des russischen Föderationskreises Ferner Osten auf sich genommen. Ein anderer Deutschlehrer aus der Mittelschule Nr. 21 in Jakutsk arbeitet bereits seit 41 Jahren als Lehrkraft. Im Saal des Sacha-Gymnasiums verläuft derweil die Völkerverständigung mit Musik und Tanz. Zunächst beindruckt das Ensemble „Utum“ unter der Leitung von Tujara Nikolaevna mit jakutischen, russischen und zeitgenössischen Tänzen. Dann führt Natalia Dergatcheva von der Tanzbrücke Hamburg e.V. www.tanz-bruecke.de mit dem jakutischen Ensemble eine Masterclass durch. Nach 45 Minuten zeigen die Schülerinnen die Bayerische Sternpolka. Wenn das keine erfolgreiche Völkerverständigung ist. Der Abend klingt mit Deutscher Klassik, gespielt vom Symphonieorchester der Staatlichen Philharmonie Jakutsk aus. Zuvor fanden an der Universität ein Seminar zu Friedrich Nietzsche und ein Seminar „Acapella-Singen auf Deutsch“ statt. 

28.10.2019 – Deutsche Forschung, Deutsches Kino und internationale Küche

 

 

 

 

 

 

 

Im Rahmen der Deutschen Woche soll unter anderem die Vielfalt der deutsch-jakutischen Beziehungen gezeigt werden. Am ersten Tag wird sich der ethnografischen Forschung in der Geschichte Jakutiens gewidmet, die mit Frau Prof. Ulla Johansen eine auch in Hamburg bekannte Vertreterin hat. In den Jahren 1962 bis 1965 leitete sie die Abteilung Süd- und Ostasien im Hamburgischen Museum für Völkerkunde. Ihr großes Interesse gilt der „Ornamentik der Jakuten“. Im Rahmen einer Buchpräsentation, mehrerer Vorträge und einer Pressekonferenz im Museum für die Musik und Folklore Jakutiens wird heute ihr Anteil an der ethnographischen Erforschung Jakutiens gewürdigt. Am Sacha-Gymnasium widmet man sich im Rahmen des Festivals „Küchen der Welt“ den kulinarischen Besonderheiten verschiedener Länder. Die Klassen von 1-9 präsentieren Speisen und kulturelle Eigenarten. Mit dem Film „Toni Erdmann“ werden die Tage des neuen deutschen Films in einem großen Kino im Zentrum von Jakutsk eröffnet. Der Eintritt ist frei.

 

26./27.10.2019: Mit den Deutschen Tagen beginnt der Winter in Jakutsk

Zum Start der Deutschen Tage in Jakutsk, die von der Nordöstlichen Föderalen Universität Jakutsk organisiert werden, zeigt sich die Stadt von ihrer schönen Seite. Mit Ankunft der Gäste hat der Winter begonnen. Wir landen nach einem problemlosen Flug von Hamburg über Moskau pünktlich morgens um 09:10 Uhr Ortszeit am Flughafen Jakutsk bei -13 °Celsius und Sonnenschein. In der Nacht zuvor hatte es zum ersten Mal richtig geschneit, die Stadt leuchtet in hellem Weiß. Vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung bleibt noch etwas Zeit für einen Ausflug an die Lena, auf der bereits großflächige Eisschollen treiben. Bis zum vollständigen Einfrieren und der langersehnten Möglichkeit, mit dem Auto über einen der größten Flüsse Russlands zu fahren, verbleiben noch ca. 3 Wochen. Die Winterlandschaft und die klare kalte Luft strahlen eine Ruhe aus, die am Ufer nur durch das Knacken von zusammenstoßenden Eisschollen auf der Lena unterbrochen wird. In den am Fluss gelegenen Dörfern bereitet man sich auf den bevorstehenden Winter vor. Ein Zufluss der Lena ist bereits mit einer ca. 40cm dicken Eisschicht bedeckt. An besonders markierten Stellen wird das Eis in Eisquader zerteilt, die dann aus dem Wasser geholt und zur Abholung bereitgelegt werden. Diese Eisblöcke dienen den Bewohnern im Winter als Trink- und Nutzwasser und werden vor den Häusern gestapelt. Ein Gefrierschrank ist bei Dauerfrost bis jetzt -10° bis im -50° Celsius von im Dezember und Januar nicht notwendig. Bevor das Eis der Lena seine Winterdicke von ca. 2-3 Metern erreicht, haben die Angler ihre Hochsaison. Auf dem Fischmarkt von Jakutsk werden alle Fischarten in praktisch gefrorenem Zustand angeboten und die Stadtbevölkerung deckt sich mit Fisch- und auch Fleisch für die bevorstehenden Wintermonate ein. Dauerfrost unter -10°C hat auch seine Vorteile. 

 

Die Eröffnung der Deutschen Tage findet dann am Nachmittag in der Katholischen Kirche des Heiligen Don Bosco statt. Die von Missionaren gegründet Kirche gibt es seit über 20 Jahren und wird aktuell von einem Priester aus der Slowakei geleitet. Sie gibt katholischen Gläubigen aus Jakutsk eine Heimat und engagiert sich in der Sozialarbeit für Kinder und Jugendliche. Die Orgel der Kirche stammt aus Deutschland und so beginnt die Deutsche Woche mit einem Orgelkonzert des erst 19jährigen Jan Aurel Dawidiuk, der auf Einladung der Staatlichen Philharmonie der Republik extra aus Hannover angereist und bereits Preisträger mehrerer Orgel- und Klavierpreise ist. Durch eine Videoprojektion konnte man dem Orgelvirtuosen beim Spielen des Instruments zuschauen, was sonst in der Kirche eher nicht möglich ist. Vor dem Altar stehen die russische und die deutsche Fahne in friedlicher Verbundenheit. Vater Mariam findet dazu die richtigen Worte: „Vor 80 Jahren standen sich die beiden Länder feindlich gegenüber, jetzt herrscht friedliche Diplomatie und Kooperation.“ In diesem Sinne soll die Deutsche Woche in Jakutsk zur weiteren Völkerverständigung und Zusammenarbeit beitragen. 

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