Tag 9: Gefrorene Fische und warme Worte zum Abschluss

Der 8. März zählt zu den wichtigsten Feiertagen in Jakutsk. Es ist nicht nur der Ehrentag der Frauen, die sich über Glückwünsche, Blumensträuße und andere Geschenke freuen können, der Tag gilt auch als Fest zum Frühlingsanfang. An den Straßen und auf Parkplätzen stehen zu Blumenläden umfunktionierte Busse, in denen importierte Blumen aller Art verkauft werden. Familien nutzen den Tag für Ausflüge in Stadt und Umgebung. Es wird auch schon mal der Grill aktiviert, um ein Picknick in der Natur mit würzigem Schaschlik zu bereichern. Alles bei wohlgemerkt immer noch recht niedrigen Temperaturen um -12°C. 

 

Für uns steht der letzte Tag auf dem Programm. Die Schülerinnen und Schüler bleiben zunächst in den Gastfamilien, die Handballgruppe nutzt den Tag für einen gemeinsamen Stadtbummel mit der Deutschlehrerin Maria. Da das Personal im Rehabilitationszentrum auch frei hat und auch der gelbe Bus heute ruht, damit Konstantin den Tag mit seiner Familie verbringen kann, fahren wir zunächst mit 2 Taxen zum Café Travellers, wo wir ein reichhaltiges Frühstück zu uns nehmen. Die Fahrt für die ca. 10 km lange Strecke kostet 5 Euro. Für die Bestellung eines Taxis wird eine App verwendet, ähnlich wie MyTaxi.

 

Nach dem Frühstück begeben wir uns auf einen Stadt-, Markt- und Geschäftsbummel. Im Unterschied zu deutschen Städten haben auch am Feiertag nahezu alle Läden und Marktstände geöffnet. Wir fahren eine Strecke mit einem öffentlichen Bus, der Preis beträgt unabhängig von der Anzahl der Haltestellen 40 Cent pro Person, bezahlt wird direkt beim Fahrer vor dem Aussteigen. Auf dem Stadtbummel kommen wir unter anderem am Zirkus von Jakutsk vorbei, in dem gestern, am 7. März, die Gruppe Dschingis Khan aus Deutschland ein Konzert gegeben hat. Welch ein Zufall, wo doch jede unserer Fahrten im gelben Bus von Konstantin von Liedern dieser Gruppe begleitet wurde.  

 

In Lebensmittelgeschäften und auf den Marktständen sind die Auslagen mit frischem Obst, Gemüse, Fleisch- und Fischprodukten gut gefüllt. Die Verkäuferinnen stehen nicht selten um eine geöffnete Sektflasche herum und prosten sich zum internationalen Frauentag zu. Es herrscht insgesamt eine fröhliche und geschäftige Stimmung. Nur die gefrorenen Fische stehen recht steif in ihren Kartons. Das obligatorische Foto dieser Art der Tiefkühlhaltung, die in nahezu jeder Dokumentation über die kälteste Stadt der Welt vorkommt, darf natürlich nicht fehlen. Wir wandeln auch durch verschiedene Einkaufspassagen und die letzten Rubel werden für typisch jakutische Souvenirs wie Maultrommel und Schlüsselanhänger aus Mammut-Elfenbein ausgegeben.

 

Am Abend treffen sich alle Gäste und Gastgeber zu einem Abschlussabend in einem Restaurant. Für eine Schülerin aus Hamburg ist es auch gleichzeitig ihre Geburtstagsfeier. Bei Schaschlik und weiteren schmackhaften Beilagen und Salaten werden die zurückliegenden Tage in Toasts und Dankesworten in Erinnerung gerufen. Musikalische Beiträge auf Deutsch, Russisch, Jakutisch und Englisch lockern das Programm auf, und mancher Beitrag ist so herzlich, dass die ein oder andere Träne über leicht gerötete Wangen kullert. Die erlebnisreichen Tage haben ganz verschiedene Menschen einander nähergebracht. Sprachbarrieren wurden kreativ überwunden, alle haben mit ihrer sozialen Kompetenz und ihren individuellen Fähigkeiten dazu beigetragen, dass Andersartigkeit als Bereicherung erfahren und keiner ausgegrenzt wurde. Sowohl im persönlichen Bereich zwischen den Teilnehmern als auch im institutionellen Bereich zwischen den am Projekt beteiligten schulischen und außerschulischen Einrichtungen sind Brücken zum Dialog gebaut worden, die für den weiteren Austausch und für die weitere Zusammenarbeit genutzt werden können.  

 

Samstagmorgen um 06:00 Uhr,  die Temperatur ist auf -20°C gefallen, steht Konstantin wieder mit seinem gelben Bus vor unserer Unterkunft. Dschingis Khan begleitet uns ein letztes Mal über die Straßen von Jakutsk bis zum Flughafen. Pünktlich um 08:45 Uhr Ortszeit hebt die Boeing 737 der Aeroflot von der leicht verschneiten Startbahn mit Zielort Moskau ab. Nach Zwischenaufenthalten in Moskau und Berlin kommen wir am gleichen Tag etwas müde aber pünktlich um 17:24 Uhr Ortszeit mit einem ICE am Hamburg Hauptbahnhof an und werden von Eltern und Familienangehörigen begrüßt. Uns vereinen die gemeinsamen unvergesslichen Erlebnisse der letzten Tage in der kältesten Stadt der Welt, im Fernen Osten Russlands. 

 

Die kommenden Stunden und Tage verbringt jeder auf seine Art. Manch einer freut sich auf das Derby HSV-St. Pauli, andere fahren noch eine Woche in die Ferien nach Dänemark oder müssen am Montag bereits wieder arbeiten. Die Verarbeitung der Bilder und Erlebnisse wird uns sicher alle noch eine Weile beschäftigen. Eine Auswertung des Projektes wird folgen. Für Samstag, den 23.03. haben wir uns schon zu dem nächsten Tanzworkshop verabredet, am 30.03. findet das Saison-Finale der Freiwurf Hamburg Liga statt. Bereits an dieser Stelle kann festgehalten werden, dass das Motto „2 gewinnt!“ der Förderlinie der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch für die Kooperation der inklusiven Handballmannschaft des AMTV Hamburg https://www.amtv.de/ und die Schülergruppe der Gyula-Trebitsch-Schule http://www.gyula-trebitsch-schule-tonndorf.devoll aufgegangen ist. 

 

Was sind wir?  Ein Team! Ein Team, das neue Freunde und Eindrücke gewonnen hat. 

 

Mein Dank gilt an dieser Stelle den Fördereinrichtungen „Aktion Mensch“ https://www.aktion-mensch.deund Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch https://www.stiftung-drja.de, ohne deren finanzielle Unterstützung das inklusive Austauschprojekt nicht möglich gewesen wäre.   

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