Tag 8: Abschied vom Winter am Lena-Felsen

Das Sacha-Gymnasium muss einen guten Draht zu den Göttern der oberen Welt haben. Für unseren heutigen Ausflug zum Lena-Felsen haben die Lehrkräfte für uns extra um Temperaturen im einstelligen Bereich gebeten und die Gebete wurden erhört. So zeigt das Thermometer am 7. März zum ersten Mal in diesem Jahr -7°C und in den folgenden Tagen soll die Temperatur wieder unter -15°C fallen. Diese ungewohnte Wärme führt bereits am Morgen vor der Abfahrt zu ungewohnten Schweißausbrüchen, die wir sonst eigentlich nur in den überheizten Räumen erleben. 

 

Die 200km den Lena-Strom flussaufwärts gen Süden legen wir in einem typisch russischen Bus zurück, die gleiche Marke wie der gelbe Bus von Konstantin, aber lange nicht so schön. Vorbei an endlosen schneebedeckten Weiten der Tundra, kleineren Dörfern mit typisch windschiefen Holzhäuschen und durch die Bezirkshauptstadt Pokrovsk ruckeln wir über die jakutischen Landstraßen. Es wird einem hier noch einmal richtig bewusst, wie weit wir von der Mönckebergstraße entfernt sind, und jeder macht sich so seine eigenen Gedanken zu den überwältigenden Landschaftsbildern. An einer Grenze zwischen 2 Bezirken halten wir kurz an und legen kleine Pfannkuchen als Opfergabe in Form einer Sonne in den Schnee. Wie oben bereits geschildert, sind die Götter uns aber ohnehin schon wohlgesonnen.

 

Die letzten 50km fahren wir auf der Eispiste der Lena, die mit einer Länge von über 4000km zu den längsten Flüssen der Welt zählt. Zwischen aufgetürmten Eisschollen und Felsformationen, die in der Periode des Kambriums vor über 500 Millionen Jahren entstanden sind, fahren wir auf 1,5m dickem Eis. Die Eispisten dienen von November bis April als einzige Autoverbindung zwischen beiden Ufern der Lena, da es keine Brücken über die Lena gibt. In den Sommermonaten werden die Eispisten durch Fähren ersetzt. 

 

Bevor wir zum Naturpark Lena-Felsen, seit 2012 UNESCO-Weltnaturerbe, fahren, nutzen wir die Kantine einer kleinen Dorfschule, um unsere von den Lehrkräften des Sacha-Gymnasiums mitgebrachte Mittagsverpflegung einzunehmen. In der Schule lernen 25 Kinder in den Klassen 1-9, sie werden von 50 Pädagogen und Mitarbeitern betreut. Die beiden einzigen Schülerinnen der 7. Klasse begrüßen uns herzlich. In den kleinen Unterrichtsräumen findet zum Teil noch Unterricht statt. Die Aula wird gerade für die Feierlichkeiten zum 8. März geschmückt. Besondere Aufmerksamkeit weckt die Schultoilette, die wie ein Eisstollen aussieht und nicht unbedingt zu längeren Sitzungen einlädt. Die Kritik an Hamburger Schultoiletten relativiert sich etwas.

 

Gut gestärkt fahren wir dann über die an dieser Stelle ca. 7km breite Lena an das andere Ufer. Der Winter will sich anscheinend gebührend von uns verabschieden und begrüßt uns am Lena-Felsen mit einem kleinen Schneesturm. Das soll es dann aber auch gewesen sein. Der ca. 2km lange Aufstieg durch einen traumhaften Winterwald, in dem auf roten Schildern vor wilden Bären und Elchen gewarnt wird, verläuft bei ruhigem, fast schon frühlingshaftem Wetter. Es geht 180m bergauf, schweißtreibend, über zum Teil sehr rutschige Holztreppen. Die Spieler von Freiwurf Hamburg geraten an ihre Grenzen, nicht zuletzt auch aufgrund der zu warmen Kleidung, da wir uns ja auf frostige Temperaturen eingestellt hatten. Langsam, Schritt für Schritt, mit gegenseitiger Unterstützung und Teamgeist erklimmen aber alle den Gipfel der Lena-Felsen, die sich an dieser Uferseite auf einer Länge von ca. 80km erheben. Oben werden alle mit einem tollen Blick auf die Lena und auf mit leichtem Pulverschnee bedeckte Felsformationen belohnt. Die Bilder sprechen für sich.

 

Nach dem Abstieg lädt die Sonne zu Rutschpartien und Schneespielen am Lena-Ufer ein. Mit einem Energie-Tanz nehmen wir als Gruppe die positive Ausstrahlung der Lena-Felsen in uns auf. Es bleibt Zeit für ein Foto-Shooting im Eis. Heidi Klum würde vor Neid erblassen. Erfüllt von vielen tollen Eindrücken geht es dann wieder zurück nach Jakutsk. 

 

Die inklusive Austauschgruppe hat diese Herausforderung gemeinsam gemeistert. Ein Höhepunkt dieses interkulturellen und inklusiven Trainingscamps, der bei allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird. 

 

Am 8. März stehen Freizeit und Abschlussabend in einem Restaurant auf dem Programm. Der Aufenthalt in Jakutsk neigt sich dem Ende entgegen. Alle Beteiligten blicken mit gemischten Gefühlen auf die bevorstehende Rückreise in das regnerische Hamburg. Die vielen Eindrücke und Erfahrungen müssen nun erstmal verarbeitet werden. Dazu dann später aus Hamburg mehr. Am Samstag um 08:45 Uhr Ortszeit startet das Flugzeug nach Moskau. Wenn alles planmäßig verläuft, kommen wir dann am gleichen Tag um 17:25 Uhr am Hauptbahnhof in Hamburg an. Der Direktorin und allen am Programm beteiligten Lehrkräften vom Sacha-Gymnasium schon mal jetzt ein herzliches Barga Machtal, was aus dem Jakutischen übersetzt Vielen Dank heißt.

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