Tag 7: Mammofanten, Butterfest und internationaler Frauentag

Im gelben Bus von Konstantin fahren wir zunächst 10.000 Jahre in die Vergangenheit. Im einzigartigen Mammutmuseum von Jakutsk führt uns der dortige Leiter durch die Geschichte der Mammut-Forschung. Seit 2012 ein nahezu vollständig erhaltenes Mammutbaby mit flüssigem Blut im Permafrost Jakutiens gefunden wurde, träumen einige Wissenschaftler vom Klonen eines Mammuts. Die dann entstehenden Mammofanten könnten wieder in Jakutien ausgewildert werden. Es bleibt allerdings fraglich, ob ein geklontes Tier tatsächlich den hiesigen extremen Wetterbedingungen gewachsen ist. Bisher verliefen alle Klon-Versuche ohne Erfolg. Der Leiter des Museums glaubt aber fest an den Erfolg und beneidet die junge Generation, die dann in 20-30 Jahren ein echtes Mammut sehen kann, ähnlich der lebensgroßen Kopie im Museum, für dessen Haar 450 Pferdeschwänze verwendet wurden. Anton aus unserer Gruppe übersetzt die interessanten Erklärungen des Mammutforschers, der mit großer Leidenschaft von seinen Funden und Erlebnissen im Permafrost berichtet. Der über 8 Kilogramm schwere Backenzahn eines Mammuts lässt uns die wahre Größe dieser Bewohner Jakutiens aus vergangenen Zeiten erahnen. Da die Jagd nach Elfenbein von lebenden Elefanten verboten ist, findet das Mammut-Elfenbein in China einen großen Absatzmarkt. Der auftauende Permafrostboden Jakutiens enthält noch viele Schätze dieser Art und der Klimawandel trägt dazu bei, dass sich immer mehr „Schatzsucher“ auf den Weg machen. Die für diese Zeit eher ungewöhnlich warmen -10C° auf der Straße lassen befürchten, dass sich dieser „Elfenbein-Rausch“ in den kommenden Jahren noch verstärken wird. Und wenn das letzte Mammut-Elfenbein aus dem jakutischen Boden geholt wurde, ist vielleicht ein erster Klon geboren.

 

Der Nachmittag im Sacha-Gymnasium steht ganz im Zeichen von Tanz und Musik. Durch die nach Jakutsk zurückgekehrte Grippewelle (von der wir bisher zum Glück verschont geblieben sind) steht mittlerweile die ganze Schule unter Quarantäne. Alle Klassen sind bis Freitag vom Unterricht befreit. Daher fallen die für diesen Nachmittag geplanten Feierlichkeiten auch etwas kleiner aus als geplant, was die Stimmung aber nicht nachhaltig stört. Ein Ensemble aus echten russischen Großmüttern macht uns mit den musikalischen und kulinarischen Geheimnissen des Butterfestes (Masleniza) bekannt. Bei diesem Fest zum Frühlingsanfang wird das Ende der dunklen Jahreszeit mit fröhlicher Musik und mit selbstgemachten Pfannkuchen gefeiert. Auf traditionellen Instrumenten werden eingängige Melodien gespielt, lustige Volkslieder erzählen von der Liebe und anderen Frühlingsgefühlen. 

 

Im Rahmen eines „Musikfestivals“, das aufgrund der Quarantäne vor überschaubarem Publikum in der Schulaula stattfindet, treten Schülerinnen und Schüler vom Sacha-Gymnasium gegeneinander an. Den Rahmen des Spektakels bilden ein von uns einstudierter Tanz und 2 Lieder – „Bruder Jakob“ auf Deutsch, Englisch und Russisch und natürlich „Moskau“ mit etwas abgewandeltem Text. So heißt es dann in der zweiten Strophe:  

 

Jakutsk // Kalt und sehr eindrucksvoll // Menschen so liebevoll // Wir wollen nicht gehn! // Jakutsk // Wir wollen dich wiedersehen // Müssen bald leider gehen // Du bist so schön!

Jakuten hey hey hey hebt die Gläser  // Maria ha ha ha du bist schön  // Sacha hey hey hey auf die Schule // Auf dein Wohl Sacha hey Sacha ho

Jakutsk Jakutsk Jakutsk ist ne tolle Stadt  // Es geht immer alles glatt // Hahahahaha hey
Jakutsk jakutsk eure Freundschaft gibt uns Kraft  // Alles man gemeinsam schafft // Hahahahaha hey

 

Als Zeichen der entstandenen Freundschaftsbrücke präsentieren die Schülerinnen und Schüler mit ihren Partnern aussagekräftige Plakate zum Projektmotto "МосТТы - Brücken zum Dialog". 

 

Das Lied, das ganz aus unseren Herzen spricht, kommt so gut an, dass wir es auf dem anschließenden Kollegiumsfest des Sacha-Gymnasiums zum 8. März, dem internationalen Frauentag, nochmal präsentieren. Unter dem Motto „Eine musikalische Reise um die Welt“ treten verschiedene Lehrerinnenensembles auf und performen Lieder von Boney M und anderen Pop-Gruppen. Da liegen wir mit Dschingis Khan genau im Trend. Nach einer ausgelassenen Feier mit selbstgemachten Speisen und alkoholfreien Getränken (von wegen Russen und Wodka), fährt uns Konstantin mit seinem gelben Bus in unsere Unterkunft. Die Schüler sind in den Gastfamilien. Heute geht es früher ins Bett, da morgen der Besuch der Lena-Felsen ansteht.  

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