Tag 6: Globale Erwärmung – von Flüssiggas, Hundewelpen und guten Geistern

Der Sonnenaufgang am Morgen zeigt bereits erste Anzeichen eines bevorstehenden warmen Tages. Die schneidende Kälte hat einer etwas dunstigen, mit leichten Schneeflöckchen durchzogenen Luftströmung Platz gemacht. Die -15°C laden schon fast dazu ein, den Weg zur Kantine bei offener Jacke zu beschreiten. Der Frühling bahnt sich seinen Weg durch den Permafrost oder ist es doch die globale Erderwärmung, von der auch in Jakutsk immer häufiger die Rede ist.   

 

Wenn die Amerikaner wüssten, welche einzigartige Gasverarbeitungsanlage in Jakutsk steht, die Fracking-Gas alt aussehen lässt … Nein, wir wollen jetzt nicht politisch werden. Stellen wir lieber fest, dass man auch in Jakutsk nach alternativen Energiequellen sucht. Dass Russland in der Erdgasförderung weltweit auf Platz 1 steht, ist allgemein bekannt. Dass dieses Gas auch zunehmend verflüssigt wird, um es unter anderem als Treibstoff für Autos, Busse und Lastkraftwagen zu verwenden und ein Großteil der Busse im öffentlichen Nahverkehr aber auch zunehmend private Pkw mit Flüssiggas betrieben werden, überrascht uns dann doch. In der eher unscheinbaren Gasverarbeitungsanlage am Rande von Jakutsk werden wir in die Geheimnisse der Gasverflüssigung durch Abkühlung und Verdichtung eingewiesen. Im Anschluss folgt eine kurze Führung über das Gelände und spätestens bei der automatisierten Gasflaschenbefüllungsanlage ist bei allen das Interesse geweckt, schließlich kennen viele die Gasflaschen vom Camping und Grillen. Auch der gelbe Bus von Konstantin wird mit Benzin und Flüssiggas angetrieben. Nicht auf die Äußerlichkeiten, sondern auf die inneren Werte kommt es an.  

 

Der anschließende Besuch auf einem Reiterhof nimmt kurz nach Betreten des Pferdestalls eine unerwartete Wendung. Nicht die Pferde ziehen alle Aufmerksamkeit auf sich, sondern 5 Hundewelpen, die sich auf die Besucher stürzen (oder war es umgekehrt?), lassen alle Herzen höherschlagen. Fragen nach Ausfuhr- Veterinär- und Zollbestimmungen stehen plötzlich im Raum und ich muss schon befürchten, dass sich die Anzahl der Gruppenmitglieder auf dem Rückflug um einige Vierbeiner erhöht. Die Äußerung der Hofbesitzerin, dass wir die Welpen ruhig mitnehmen können, trägt nicht gerade zur Beruhigung bei. Man einigt sich darauf, dass sie sich hinsichtlich der Ausfuhrbestimmungen erkundigen wird und sich dann telefonisch meldet. Ich ertappe mich dabei, dass ich mir das löchrige Mobilfunknetz aus Deutschland nach Jakutsk wünsche, damit diese Information uns erst nach unserem Abflug erreicht. Es gelingt den Pferden dann doch noch, unser Interesse zu wecken. Die friedlichen Tiere werden zu verschiedenen sportlichen Aktivitäten und auch zur Reittherapie in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung eingesetzt. Spätestens auf einer Fahrt mit dem Pferdeschlitten durch die weiße Winterlandschaft punkten die Pferde gegenüber den Welpen.

 

Während die Handballer das Zentrum für adaptiven Sport für der Stadt Jakutsk besuchen und dort unter anderem verschiedene jakutische Tischsportarten ausprobieren, erstellen die Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Partnerarbeit Plakate zum Thema „МосТТы– Brücken zum Dialog“, die am Abschlussabend präsentiert werden sollen. 

 

Auf dem Anwesen der jakutischen Familie Atlasоva, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die jakutischen Traditionen und Eigenarten zu bewahren, endet der Tag mit einem schamanischen Feuerritual, mit dem die Götter der oberen Welt um Schutz und ein glückliches Leben gebeten werden. Während des Spaziergangs auf dem Gelände geraten wir unerwartet in eine Eisbar mit Billardtisch, Bowling- und Curling-Bahn. Kalte Temperaturen verdichten anscheinend nicht nur das Gas, sondern auch die Kreativität. 

 

Das inklusive und interkulturelle Training in unserer Gruppe erfreut den Betrachter bei allen Programmpunkten. Das gemeinsame Erleben der vielfältigen Aktivtäten vereint, Unterschiede verschwimmen, alle unterstützen sich gegenseitig und jeder nimmt gemäß seinen Fähigkeiten an allem teil. Es wird gemeinsam gelacht, gestaunt, eingenickt, wieder aufgewacht, sprachliche Hürden werden genommen und aus vielen verschiedenen Individuen bildet sich eine Gruppe, die voneinander und miteinander lernt und verschiedenste Herausforderungen meistert. Die Betreuung der hiesigen Lehrkräfte ist herausragend. Das Programm ist eng getaktet, durch die tolle Organisation der Deutschlehrerin Maria klappt alles hervorragend und auch kleine Sonderwünsche werden erfüllt. Viele ertappen sich am Abend eines erfüllten Tages bei dem Gedanken, dass es nur noch 3 Tage so weiter geht. Fortsetzung folgt.

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