Tag 5: Was haben wir eigentlich heute gemacht?

Mit dieser Frage wird die heutige Abschlussrunde im Internat eingeleitet und sie ist berechtigt. Die Eindrücke in Jakutsk sind so vielfältig, eindrucksvoll und zum Teil überwältigend, dass wir am Tagesende vor lauter Bildern und neuen Erfahrungen manchmal den Überblick verlieren. Nach kurzem Innehalten fallen uns zentrale Begriffe für den heutigen Tag ein – Feuer, Eis, Brillanten. 

 

Konstantin bringt uns mit seinem gelben Bus zunächst zur Feuerwehr. In einer modernen Wache, die mit neuen Löschfahrzeugen auf Iveco-Basis ausgestattet ist, erfahren wir die Einzelheiten über die besonderen Herausforderungen der Feuerwehr in dem extremen kontinentalen Klima. Bei Temperaturen zwischen von -20°C bis – 50°C wird das Feuer mit vorgewärmtem Wasser oder auch Löschschaum bekämpft, in trockenen Sommern wird die Feuerwehr häufig zu Wald- oder Balkonbränden, hervorgerufen durch weggeworfene Zigarettenkippen, gerufen. Die interessante Führung durch die Wache geht gerade dem Ende entgegen, kleine Gastgeschenke werden überreicht, da erklingt die Alarmglocke und innerhalb von wenigen Minuten sind Leiterwagen und Löschfahrzeug auf dem Weg zum Einsatz. 

 

Angelockt durch Sonnenschein und blauen Himmel bewegen wir uns zum Jakutsker Badestrand, der im Winter jedoch zum Eispark gefriert. Vielfältige Eis- und Schneeskulpturen 

schmücken den zugefrorenen Seitenarm der Lena, laute Musik ermuntert zu Bewegungs-übungen gegen die Kälte und auf Eisrutschen sorgt die hohe Geschwindigkeit für gefrorene Wimpern und Augenbrauen. Der Jakutsker Eisdom begeistert Gäste und Gastgeber gleichermaßen. Eispaläste laden zum Träumen ein und junge Eisskulpteure zeigen im Rahmen eines offenen Regionalwettbewerbs ihr Können an Eis- und Schneeblöcken. Permafrost macht kreativ. Auch am heutigen Tag hört man von mehreren Teilnehmern, dass sie (noch) nicht zurück nach Hamburg möchten. Ein Blick auf die Wetter-App verstärkt dieses Gefühl. Hamburg: + 10°C, Sturm und Regen. Jakutsk: – 20°C, blauer Himmel und Sonne. 

 

„Als Gott über Jakutien flog, erfroren ihm die Finger und er ließ alle Bodenschätze auf die jakutische Erde fallen“ – von dem Wahrheitsgehalt dieser Sage können wir uns in der „Schatzkammer von Jakutsk“ überzeugen, zu der uns Konstatin mit seinem gelben Bus nach dem Eispark fährt. Nach einer Sicherheitskontrolle wie am Flughafen, geleitet von einer „Generalin“ in Uniform, die nicht zufrieden ist, bevor nicht auch die letzte Jacke ordnungsgemäß auf einem Bügel hängt, erhalten wir einen Überblick über den Reichtum Jakutiens. Neben Gold, Silber und Platin und kommen 25% der Diamanten der Welt aus Jakutien. Verschieden wertvolle Gesteinsarten liefern das Rohmaterial für Kunstwerke aller Art und Stilrichtungen. Erdöl, Erdgas und seltene Erden ergänzen die Bodenschätze Jakutiens gewinnbringend. Der Permafrost beheimatet darüber hinaus große Mengen von Mammut-Elfenbein, das „gefördert“ werden kann, ohne dass dafür Tiere sterben. Die Mammuts sind bereits von mehreren 1000 Jahren ausgestorben.  

 

Ein Zusammentreffen mit dem inklusiven Theaterensemble „Der kleine Prinz“ in den Büroräumen des Wohltätigkeits-Fonds Charyskal rundet den ereignisreichen Tag mit warmen Worten und Erinnerungen an den Auftritt des Ensembles beim 11. Russischen Schuljahresabschluss im Ernst Deutsch Theater in Hamburg ab. Nach 2 Jahren erhalten die Teilnehmer endlich die langersehnten Urkunden. Besser spät als gar nicht. 

 

Unser Aufenthalt im bezaubernden Jakutsk feiert Bergfest. Vor uns liegen nun noch 4 weitere Tage. Fortsetzung folgt.

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