Tag 4: Vom Himmelreich zum Königreich des Permafrosts

Der Sonntag ist auch in Jakutsk traditionell der Familientag, daher sind die Gastfamilien unserer Schülerinnen und Schüler für die Programmgestaltung verantwortlich. Die inklusive Handballgruppe besucht zunächst die Katholische Kirche des Heiligen Don Bosco und das dazugehörige Jugendzentrum. Die von Missionaren gegründet Kirche gibt seit über 20 Jahren und wird aktuell von einem Priester aus der Slowakei geleitet. Sie gibt katholischen Gläubigen aus Jakutsk eine Heimat und engagiert sich in der Sozialarbeit für Kindern und Jugendliche. Die Orgelmusik während der wöchentlich stattfindenden Gottesdienste kommt von einer Orgel aus Deutschland, die sich auch nicht zu schade ist, den von uns eingespielten Flohwalzer feierlich im Kirchenschiff erklingen zu lassen. Die Kirche selbst wurde unter anderem mit deutschen Spenden aufgebaut. Die Gemeindemitglieder kommen neben russischstämmigen Einwohnern aus Jakutsk von den Philippinen, aus Afrika und Vietnam. Im Jugendzentrum treffen sich Kinder und Jugendliche aus zum Teil schwierigen sozialen Verhältnissen zu verschiedenen Betreuungsangeboten und Aktivitäten. Schülerinnen und Schüler vom Sacha-Gymnasium stellen dort getrocknete Apfelscheiben und eine Gewürzmischung her, die dann verkauft werden. Wir alle sind von der multikulturellen Offenheit und freundlichen Atmosphäre begeistert. 

 

Mit der Wärme im Herzen sind wir dann gut ausgestattet für das Königreich des Permafrostes. Bevor wir jedoch dieses Königreich betreten, besuchen wir das ethnografische Freiluftgelände ЧочурМуран, gelegen an der gleichnamigen Hügelkette am Stadtrand von Jakutsk. Strahlender Sonnenschein, glänzender Schnee, Schlittenhunde und Rentiere machen einem bewusst, dass wir recht nördlich unterwegs sind. Die Fahrt auf der gelben Plastikbanane hinter einem qualmenden Schneemobil stören zwar etwas die Romantik, aber die Moderne ist eben auch im Fernen Osten angekommen. Nach einem sehr reichhaltigen und schmackhaften Essen im historischen alten Holzhaus auf dem Gelände fährt uns Konstatin mit seinem gelben Bus zum Königreich des Permafrosts. Ausgestattet mit einem orangenen Schutzhelm als Schutz vor herabfallenden Eiszapfen (Quatsch) begeben wir uns in einen ca. 100m langen Stollen im Berg, der bei stetigen -15°C optimale Bedingungen für Eiskristalle und Eisskulpturen bietet. An den Decken und Wänden funkeln die Kristalle, am Boden beeindrucken verschiedene von Künstlern aus Eisklötzen hergestellte Skulpturen zu verschiedenen Themen aus Kultur und Literatur. So findet man dort neben eisigen Mammuts und Gestalten aus der Sagenwelt auch eine Bar und ein Hochzeitszimmer komplett aus Eis. Wer möchte, kann dort seine Hochzeitsnacht verbringen. Für die heißen Momente muss das Paar dann selbst sorgen. Auf einer Curling-Bahn können wir dann unter Anleitung einer echten Curling-Spielerin, eine Freundin der Deutschlehrerin, ein Curling-Turnier ausspielen. Leider scheitern wir bereits daran, die Steine auf der rutschigen Fläche in der richtigen Art und Weise in Bewegung zu versetzen. Kurzerhand wandeln wir das Spiel in Eisbowling um. So gelingt es wenigstens, 1-2 Steine in die markierte Fläche zu stoßen. Im Fernsehen sieht es immer so elegant aus, wir schieben unsere „Unfähigkeit“ auf den Permafrost. So kommen wir ohne Schaden aus der Situation heraus und können erhobenen Hauptes mit Konstatin und seinem gelben Bus zu einem Aussichtspunkt im Skigebiet von Jakutsk fahren. Der Ausblick von dort ist grandios und entschädigt für die Curling-Erfahrung. Mit roten Wangen und erfüllt von vielen tollen Eindrucken im Himmelreich des Permafrostes geht es zurück ins Internat. 

 

Das Programm in den Gastfamilien ist nicht minder interessant, herausfordernd und abwechslungsreich. Zoobesuch, Schlittschuhlaufen, Pferdeschlittenfahrt, Permafrost-Stollen, Fotoshooting, die Familien geben sich wirklich alle Mühe, den Aufenthalt der Austauschschüler so angenehm und spannend wie möglich zu gestalten. Neben den Unternehmungen kommt auch das Familienleben nicht zu kurz, es wird zusammen gekocht, gegessen, gespielt. Die bisherigen Rückmeldungen sind daher auch nur positiv. Cool, spannend, interessant, eindrucksvoll, … eine kleine Auswahl der Stimmungsmeldungen per WhatsApp. Permafrost schweißt zusammen, physikalisch eher ein Widerspruch, menschlich möglich! 

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