Tag 1: Wechselbad der Gefühle und Temperaturen

Die Reise nach Jakutsk startet am Mittwoch, den 27.2 morgens um 3:50 Uhr mit dem Bus am Bahnhof Tonndorf. Die geplante Abfahrtzeit 3:30 Uhr konnte nicht eingehalten werden, da eine Schülerin erst durch einen Telefonanruf um 3:25 Uhr geweckt wurde. Nach einer ruhigen ca. 4stündigen Fahrt ohne weitere Überraschungen erreichen wir um 7:45 Uhr den Flughafen Berlin Schönefeld. Vor dem Einchecken gesellt sich Petra zu uns, die Valentina, die jetzige Schulleiterin vom Sacha-Gymnasium, vor 43 Jahren im Rahmen einer deutsch-sowjetischen Brieffreundschaft kennengelernt hatte und nun die langersehnte Reise in das ferne Jakutsk antritt. Planmäßig um 10:00 Uhr verlässt die Boeing 737-800 von Aeroflot das mit 12°C frühlingshafte Berlin in Richtung Moskau. Die schneebedeckte Landschaft kurz vor der Landung im -3°C kalten Moskau lässt das Frühlingserwachen schnell vergessen. Beim Anblick der hochmodernen Terminals am Flughafen Sheremetjewo relativiert sich auch das Russlandbild der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bisher lediglich aus den Medien über das größte Land der Welt erfahren hatten. Ein fahrerloser Airport-Express bringt uns von Termin D zu Terminal B, wo wir um 18:00 Uhr Moskauer Zeit (+2 Std.) an Bord Boeing 737-800 von Aeroflot gehen. Diese Mal liegt jedoch ein ca. 7stündiger Flug über den Ural und somit in den asiatischen Teil Russlands in den Fernen Osten vor uns. Die mittlerweile 12 Stunden dauernde Reise sorgt für eine aufkommende Trägheit, die in den recht engen Sitzreihen der nunmehr mit ausschließlich russisch- und jakutischsprachigen Mitreisenden vollbesetzten Maschine nur phasenweise zu Schlafphasen führt. Ein schmackhaftes Essen sorgt für etwas Abwechslung auf dem Nachtflug der Sonne entgegen und die Ankündigung der Landung auf dem Flughafen Jakutsk um 6:30 Uhr Ortszeit (+8 Std.), bei der der Pilot die Lufttemperatur von -30°C beiläufig erwähnt, macht uns unmissverständlich klar, dass wir bald den Boden der kältesten Stadt der Welt betreten werden. Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der inklusiven Austauschgruppe sind Müdigkeit und Anspannung gleichermaßen ins Gesicht geschrieben. Sie haben alle diese erste Herausforderung unserer Austauschreise mit Bravur gemeistert, unabhängig von vorhandenen oder nicht vorhandenen Russischkenntnissen oder anderweitigen Beeinträchtigungen. Leider hat sich ein Koffer unserer Gruppe wohl eher unfreiwillig entschlossen, einen Tag länger in Moskau zu bleiben und wird wohl erst morgen zu seiner Besitzerin kommen.

 

Die dadurch hervorgerufene leichte Eintrübung der Stimmung wird durch den herzlichen und warmen Empfang mit jakutischen kleinen Pfannkuchen und gegorener Stutenmilch durch Direktorin, Kolleginnen und Eltern vom Sacha-Gymnasium schnell wieder bereinigt. Wir werden darüber aufgeklärt, dass in Jakutsk endlich der Frühling Einzug erhalten hat und erhalten das Programm der bevorstehenden Tage. Die Schülergruppe und die begleitende Lehrerin folgen ihren Gastfamilien und die inklusive Handballgruppe wird von der für Planung und Organisation des Aufenthalts verantwortlichen Deutschlehrerin vom Sacha-Gymnasium zu einem gelben Schulbus geführt. Beim Verlassen des Flughafengebäudes begrüßt uns der jakutische Frühling und lässt vor Freude unsere Nasenhaare gefrieren. Frühlingsgefühle der etwas anderen Art. Der Schulbus bringt uns in das vor einem Jahr eröffnete Rehabilitationszentrum für Kinder mit Behinderungen und deren Eltern, das 10km vom Stadtzentrum Jakutsk entfernt in einer traumhaften Winterlandschaft liegt. Nach einer kurzen Begrüßung beziehen wir dort unsere Zimmer in einem Gästehaus. Nach einem sehr nahrhaften Frühstück russischer Art mit Würstchen, Reis und 2 Spiegeleiern folgt eine mittlerweile dringend notwendige Ruhephase, die von einigen Teilnehmerinnen bereits für den ersten Winterspaziergang bei -20°C und strahlendem Sonnenschein auf dem Gelände des Zentrums genutzt wird. Andere verbringen die Zeit in den mit bis zu 25°C etwas überheizten Räumen des Gästehauses. Diese extremen Temperaturunterschiede werden uns in den kommenden Tagen herausfordern. Um 16:00 Uhr werden wir dann alle zusammen in Anwesenheit von Vertretern von Außen-, Innen und Bildungsministerium der Stadtverwaltung Jakutsk feierlich mit einem musikalischem Rahmenprogramm begrüßt. Unter Gästen sind Lehrkräfte vom Sacha-Gymnasium und das Kollektiv und Kinder und Eltern des Reha-Zentrums. Um ca. 12:00 Uhr Hamburger Zeit, also 20:00 Uhr Ortszeit fallen die meisten von uns dann erfüllt mit tollen ersten Eindrücken ins Bett. Das erste Eis ist gebrochen, es ist ja schließlich Frühling in Jakutsk. 

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