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Tag 7: Die Kuh auf dem Eis

Tag 7: Die Kuh auf dem Eis

Mit einer Länge von ca. 4400m zählt die Lena zu den längsten Flüssen der Welt. Sie entspringt im Baikal-Gebirge und mündet in die Laptewsee, ein Randmeer des Arktischen Ozeans. In Jakutien fließt sie direkt an Jakutsk vorbei. Wir sind heute gemeinsam mit unseren Austauschpartnern, einigen Lehrkräften und Vätern vom Sacha-Gymnasium unterwegs. Unser Ziel sind heute die Lena-Felsen, die sich ca. 150km (Luftlinie) südwestlich von Jakutsk erheben und seit 2012 zum UNESCO Weltkulturerbe zählen. Auf einer Länge von ca. 80km erstrecken sich die zackenartigen Felsformationen am Südufer der Lena und erreichen eine Höhe von bis zu 300m. Nach ca. 150km auf einer recht gut ausgebauten Straße durch die Taiga und vorbei an vielen kleineren Ortschaften folgt eine Toilettenpause. Die vereisten Plumpsklos kosten einige Überwindung. Im Anschluss fahren unsere beiden Busse auf das Eis der Lena, auf der von November bis April verschiedenen Eistrassen für den Auto- und auch Schwerlastverkehr freigegeben werden. Das Eis ist dann bis zu 2m dick. Zunächst fahren wir auf einem Nebenarm des an manchen Stellen bis zu 20km breiten Flusses. Auf der rechten Seite erheben sich bereits Felsformationen. Wir halten an und stapfen durch den teilweise 0,5m tiefen Schnee zu einer Felshöhle. Fotoshooting extrem. Auf der streckenweise spiegelglatten Trasse fahren wir dann vorbei an sich auftürmenden Eisschollen durch eine schon sehr arktisch anmutende Landschaft. Plötzlich erblicken wir jedoch ein völlig unerwartetes Geschehen. Vor uns quert eine gemischte Pferde- und Rinderherde die Eistrasse. Sie sind auf dem Weg vom Ufer zu einer Wasserstelle auf dem Fluss, an der ein Loch in das Eis geschlagen wurde, damit die Tiere dort trinken können. Als letztes trottet vorsichtig eine Kuh über das Eis. Ihr Euter ist mit einem „Mäntelchen“ eingepackt, damit die Milch nicht gefriert. Alles bei einer Temperatur von unter -30°C. Leben unter Extrembedingungen, für Tier und Mensch. Für uns ein unvergessliches Schauspiel der besonderen Art. Mitten auf dem an dieser Stelle ca. 3km breiten Fluss halten wir an einem kleinen Eisskulpturenpark zu einem „Picknick auf dem Eis“, das aber angesichts der Kälte dann doch in den beiden Fahrzeugen abgehalten wird. Draußen bereiten Einheimische  aus dem am Ufer befindlichen Dorf auf einem Grill Schaschlik für weitere Besucher vor. Es werden auch Fahrten auf einem Motorschlitten und Pferdeschlitten angeboten. Ein „Vergnügungspark“ mitten auf einem der längsten Flüsse der Welt. Nach der Stärkung mit heißem Tee und verschiedenen Speisen fahren wir weiter auf die Südseite der Lena zu dem Eingang in den Naturpark „Lena-Felsen“. Bei blauem Himmel, Sonnenschein und ca. -35°C liegt nun ein ca. 2km langer Fußmarsch auf einem extra angelegten kleinen Pfad durch den verschneiten sibirischen Wald vor uns, der uns zu einem ca. 200m hohen Aussichtspunkt auf einem der Lena-Felsen bringt. Die Bewegung hilft gegen die Kälte führt aber auch zu ungewohnten Erscheinungen. Der warme Atem gefriert an Haaren, Augenbrauen und Lidern und macht uns selbst zu Eisskulpturen. Es ist ein malerisch anmutender Weg, unter schneebehängten Nadelbäume, vorbei an rauen Felsformationen. Oben angekommen eröffnet sich uns ein traumhafter Panorama-Blick auf die Lena in südlicher und nördlicher Richtung, deren glatte, schneebedeckte Oberfläche durch die Eistrassen und durch Bereiche mit aufgetürmten Eisschollen geteilt wird. Die Felsspitzen erstrahlen im Sonnenlicht und die fast schon romantische Stimmung lässt die Kälte und die Entfernung von zu Hause vergessen. Den Abstieg legen einzelne Teilnehmer streckenweise unfreiwillig sitzend zurück. Nach ca. 1,5 Stunden Aufenthalt im Naturpark kommen alle aber wieder wohlbehalten bei unseren Bussen an. Auf dem Rückweg halten wir nochmal bei dem „Vergnügungspark“ und verabschieden uns von dem „Flusshund“. Bevor wir die Lena wieder verlassen, führt uns unser Tourleiter noch zu urzeitlichen Felszeichnungen, auf denen Tiere, Menschen und Symbole zu erkennen sind. Auf dem Rückweg wird in einem Bus gesungen, der andere schläft. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind erfüllt von unvergesslichen Bildern und Eindrücken. Am Donnerstag ist der 8. März, der internationale Frauentag. Auf den Straßen von Jakutsk stehen seit Mittwoch Busse, die zu Blumenläden umfunktioniert worden sind. Jede Frau in Jakutsk bekommt am 8. März einen Blumenstrauß, die zwischen 20 und 60 Euro kosten und per Flugzeug nach Jakutsk gebracht werden. Der Feiertag wird wieder im Kreise der Gastfamilien verbracht. Verschiedene Ausflüge in Jakutsk und Umgebung sind geplant. Am Freitag werden wir uns dann wieder in der Schule treffen. Am Nachmittag ist dann schon die Abschlussfeier. Samstag morgen fliegen wir zurück über Moskau, Berlin und dann mit dem Zug nach Hamburg. Dazu später mehr.

 

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