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Tag 5: Liebe geht durch den Magen

Tag 5: Liebe geht durch den Magen

 

Mit dem Anlegen einer farbigen Kochmütze und Schürze beginnt am Montag ein Programmpunkt, der auf eine besondere Art eine Brücke zur jakutischen Kultur baut, besser gesagt, kocht. Wir befinden uns im Technologischen Technikum für Servicekräfte der Republik Jakutsk, gewissermaßen eine Berufsfachschule für angehende Köche, Konditoren, Bäcker, Lebensmitteltechniker, Restaurant- und Hotelfachkräfte. Aufgeteilt in 5 Gruppen sollen wir unter Anleitung von Studentinnen und Lehrkräften des Technikums folgende 4 traditionelle jakutische Speisen und Getränke zubereiten.

Кascha Salamat – eine Art Mehlbrei mit Fleischstückchen als Vorspeise

Lepeschka – jakutisches Fladenbrot

Schtschuka farschirovannaja – gefüllter Hecht als Hauptgericht

Mors brusnika - Preiselbeerensaft

Das Ausnehmen des Hechts übernehmen zum Glück die Studentinnen. Alle anderen Tätigkeiten werden dann überwiegend gemeinsam ausgeführt. Das herausgetrennte Hechtfleisch wird mit aufgeweichtem Weißbrot, Karotten und Zwiebeln durch einen Fleischwolf gedreht. Der dabei entstehende Brei wird wieder in die Außenhaut des Hechts gestopft, so dass eine appetitliche Kreation entsteht, die dann für ca. 45 Minuten im Ofen erhitzt wird. In der Zeit werden der Mehlbrei, das Fladenbrot und der Preiselbeerensaft zubereitet. Die Kommunikation mit den Lehrkräften und Studentinnen verläuft auf Russisch, alles läuft sehr diszipliniert ab. Nach ca. 1,5 Stunden werden die fertigen Speisen präsentiert und die jeweiligen Kreationen verglichen. Es folgt das gemeinsame Essen der selbst gekochten Gerichte. Ein Erlebnis der besonderen Art!

 

Im Anschluss sind die jakutischen Schülerinnen und Schüler an der Reihe. Sie bereiten deutsche Speisen zu. Das „Fuldaer Sack“, ein mit Feta gefülltes Schnitzel, eine typisch deutsche Speise ist, ruft bei den Gastschülern etwas Erstaunen hervor, kleine gefüllte Berliner, die als Nachspeie auf dem Menü stehen, sind da eher bekannt. Während die jakutischen Schüler die Speisen zubereiten, erhalten wir eine Führung und Informationen über das Technikum. Die Berufsausbildung ähnelt in vielem dem dualen System bei uns. Allerdings bewerben sich die Schüler nicht bei Firmen, Hotels oder Restaurants, sondern am Technikum. Das Technikum verfügt dann über eine Anzahl von Verträgen mit Firmen und Institutionen aus dem Gastronomie- und Lebensmittelgewerbe, in denen die Auszubildenden Praktika machen können. Die aktuell 700 Auszubildenden kommen aus ganz Jakutien. Die Nachfragen nach Service-, Restaurant-, und Lebensmittelfachkräften ist groß.

Am Ende des zweiten Teils dürfen wir auch die von unseren Gastgebern zubereiteten Speisen probieren. Alle sind sich einig, auch sie haben die Kochprüfung bestanden. So erhalten wir alle ein Zertifikat und werden von der Leiterin mit dem Hinweis verabschiedet, dass sie auch gerne Schüler aus Hamburg für ein Praktikum an ihrem Institut aufnehmen würden. Eine weitere Brücke zwischen Hamburg und Jakutsk entsteht.

Am Ende des ereignisreichen Tages begeben wir uns auf Einladung der Fakultät für Fremdsprachen an die Universität Jakutsk, um gemeinsam mit den Deutschlehrkräften vom Sacha-Gymnasium, einem Bosch-Lektor aus Chabarowsk und einer Vertreterin vom Goethe-Institut aus Novosibirsk den deutschen Film „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ anzuschauen. Mit -19°C ist es immer noch verhältnismäßig warm, was einige unserer Teilnehmer schon dazu veranlasst, mit offener Jacke herumzulaufen. In Deutschland eher undenkbar. Die kontinentale Kälte ist eben doch anders. Vielleicht liegt es auch an der Herzlichkeit und Wärme der Gastgeber.

 

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