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Tag 3: Gespräche mit Goethe und sportliche Wettkämpfe

Tag 3: Gespräche mit Goethe und sportliche Wettkämpfe

Der Frost steht in Jakutsk, so nennen es die Jakuten und sprechen trotzdem von Frühlingsgefühlen. Für uns sind es eiskalte -37°C, die den Weg zur Schule zu einem besonderen Ereignis machen. Am dritten Tag geht man aber schon etwas entspannter damit um. Beim Anblick eines jakutischen Schülers, der mir auf der Straße in einem einfachen Kapuzenpullover entgegenkommt, wird mir das unterschiedliche Kälteempfinden dann aber doch nochmal bewusst.

Am Vormittag steht wieder der gemeinsame Unterrichtsbesuch auf dem Programm, nicht unbedingt zur Freude von allen Teilnehmern. Die geschilderten Eindrücke aus den erlebten Unterrichtsstunden sind auch sehr unterschiedlich. Wer kein Russisch versteht, verfolgt die nach wie vor 45 Minuten langen Stunden mit gemischten Gefühlen. Bei einigen Lehrkräften sind die russischen Schüler mehr mit ihrem Handy beschäftig, als mit dem Unterrichtsthema. In den Englisch- und Deutschstunden werden die Gäste zum Teil aktiv einbezogen, allerdings erlauben die kommunikativen Fähigkeiten der Fremdsprachenlerner keine umfangreichen Gespräche. So sind der Musikunterricht mit weiteren Übungen auf der Maultrommel und gemeinsamer Tanzunterricht eine willkommene Abwechslung. Nach dem sehr schmackhaften Mittagessen in der Schulkantine folgt ein Treffen mit Johann Wolfgang von Goethe, der einzelnen Schülern wenigstens aus dem Film „Fuck you Göhte“ bekannt ist. Wir erleben allerdings eine literarische Lesung mit dem Titel “Johann Peter Eckermann – Gespräche mit Goethe“. Der in Hamburg-Harburg gebürtige Theaterschauspieler Gernot Grimm lebt mit seiner Familie seit mehreren Jahren in Jakutsk, arbeitet unter anderem am Sacha-Gymnasium und hat für uns Textstellen aus dem Werk herausgesucht, die uns einerseits in die Zeit Goethes führen, zugleich aber hinsichtlich der Themen eine erstaunliche Aktualität aufweisen. Auf die Frage, wer in der russischen Literatur eine vergleichbare Bedeutung hat, wie Goethe in Deutschland, antworten unsere Gastgeber einhellig mit Alexander Sergejewitsch Puschkin.

Der Nachmittag gehört dann ganz dem Sport. In der kleinen, etwas gewöhnungsbedürftigen Schulsporthalle erleben wir zunächst einen Wettkampf in traditionellen jakutischen Disziplinen. Den Anfang macht ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem es darum geht, in einer bestimmten Zeit möglichst viele Holzstäbchen aufzufangen, je jeweils nach oben geworfen werden, dann auf dem Handrücken liegen bleiben und zuletzt einzeln gefangen werden müssen. Es folgen ein Hindernissprung und ein Dreisprung nach bestimmten Regeln. Auf einem Bein stehend und mit der linken Hand am rechten Ohr wird dann versucht, mit dem Mund unterschiedlich hohe Papierzylinder  vom Boden aufzuheben. Danach müssen sich die Wettkämpfer auf einem in einem Bodenloch fixierten Holzstab abgestützt möglichst oft um die eigene Körperachse drehen, was ein hohes Maß an Gelenkigkeit erfordert. Den Abschluss macht Mass-Wrestling, bei dem die beiden Kontrahenten an einem Holzstab ziehen und der gewinnt, der ihn länger halten kann. Die Hamburger Teilnehmerinnen und Teilnehmer können alle Sportarten ausprobieren, was mal besser gelingt und mal zur allgemeinen Erheiterung führt. Nach den Einzelwettkämpfen folgt dann eine Art Staffelhindernislauf mit gemischten deutsch-russischen Gruppen und Tauziehen. Den Abschluss bildet die Siegerehrung. Nach diesem dritten Tag mit Unterrichtsbesuchen und Aktivitäten, die überwiegend in der Schule stattfanden, wünschen sich die Hamburger Teilnehmer, mehr von Jakutsk und Umgebung zu sehen. Dazu wird der morgige Familientag ausreichend Gelegenheit bieten.  Auf dem Programm stehen Eisskulpturen-Park, Schlittschuhlaufen, Hundeschlittenfahrten und das „Königreich des Permafrostes“. Doch dazu morgen mehr.

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