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Tag 2 in Jakutsk - Frühlingsfest bei -29°C

Die tiefen Temperaturen kann man buchstäblich hören. Der Schnee knirscht unter den Stiefeln und die Autoreifen quietschen auf den teilweise vereisten Straßen.  Die Abgaswolken der Autos erzeugen eine gespenstische Atmosphäre auf dem morgendlichen ca. 15minütigen Fußweg in die Schule. Die freien Hautflächen im Gesicht überzieht ein leichtes Brennen. Die eiskalte Luft wird am besten durch die Nase eingeatmet. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass im Dezember und Januar die Temperaturen bis unter -40°C fallen und das Leben trotzdem weitergeht. Erst ab -48°C gibt es schulfrei. Besonders extrem ist der Wechsel in die zum Teil überheizten und stickigen Klassenräume mit einer Raumtemperatur von ca. 26°C. Die Schülerinnen und Schüler müssen also mit einer Differenz von bis zu 60°C zurechtkommen.

 

Der zweite Tag in Jakutsk beginnt mit dem Besuch verschiedener Unterrichtsstunden. Im Deutschunterricht werden Spiele gespielt, in den höheren Klassen erfolgt ein Austausch zu verschiedenen Themen. Im Musikunterricht lernen die Schülerinnen und Schüler aus Hamburg das Spiel auf der Maultrommel. Die Musiklehrerin überrascht uns zunächst mit einer eigenen Komposition aus ganz verschiedenen Lauten und Klängen. Danach üben wir eine Melodie, die bereits am Nachmittag, beim Besuch der Hochschule für Musik der Republik Jakutien, präsentiert werden soll. Doch zunächst folgt das traditionelle Butterfest „Masleniza“ im Sacha-Gymnasium, mit dem der Frühling begrüßt wird, bei einer Außentemperatur von -29°C. In jedem Klassenraum werden Gäste, Eltern und Lehrkräfte von den Schülern in traditionellen Kostümen begrüßt und der Tisch ist mit Pfannkuchen (Bliny) in allen Variationen und Geschmacksrichtungen künstlerisch gedeckt. Es werden Frühlingsgedichte aufgesagt und Lieder gesungen. Eine Jury prämiert die schönste Präsentation und die kreativste Pfannkuchen-Kreation. Bevor die Siegerehrung stattfindet, werden in der Aula von Schülern und Lehrkräften fröhliche Spiele, Tänze und Gesänge gezeigt. Wenn man bedenkt, dass es im Dezember und Januar dunkel, neblig und eisig ist, kann man die Freude über die Sonne und den blauen Himmel nachvollziehen.

Die Hochschule für Musik liegt ca. 20km vor Jakutsk in der Taiga. Die dort untergebrachten Schülerinnen und Schüler von Klasse 1 bis 11 wohnen in kleinen Holzhäusern auf dem Gelände der Schule und üben neben dem herkömmlichen Unterricht von morgens bis abends und werden so zu professionellen Musikern ausgebildet. Auf dem extra für uns und unsere Gastgeber organisierten Konzert begeistern uns kleine und große Musiker mit Klavier, Saxophon, Klarinette, Harfe und Geige. Ein Blasmusikensemble eröffnet und beendet das beeindruckende Konzert. Am Ende präsentieren wir unser kurzes Stück auf der Maultrommel. Den Abend verbringen die Schülerinnen und Schüler mit ihren Partnern in der Stadt, in einem Restaurant oder zu Hause. Bei Vollmond und einer Temperatur von mittlerweile -37°C. geht der 2. Tag zu Ende.

 

 

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